Die 8 Nachteile von Mikrozement im Detail
1. Der Preis liegt über dem von Fliesen. Fachgerecht verarbeitet kostet Mikrozement 150 bis 300 Euro pro Quadratmeter, im Wohnbereich am Boden 120 bis 250 Euro. Fliesen inklusive Verlegung liegen bei 80 bis 150 Euro. Der Materialanteil macht dabei nur 20 bis 30 Prozent aus, der Rest ist Handarbeit: Grundieren, Armieren, zwei bis drei Schichten aufziehen, zwischenschleifen, versiegeln. Wer am Preis sparen will, spart also fast immer an der Arbeitszeit, und genau dort entstehen die Schäden. Alle Positionen im Detail finden Sie im Ratgeber Mikrozement Kosten pro m².
2. Das Ergebnis hängt vom Verarbeiter ab. Eine Fliese kommt fertig aus der Fabrik, Mikrozement entsteht auf Ihrer Wand. Untergrundprüfung, Schichtaufbau, Trocknungszeiten und Versiegelung entscheiden über Jahre Haltbarkeit oder Monate bis zum ersten Riss. Das Tückische: Fehler sind bei der Abnahme unsichtbar. Eine zu dünne Versiegelung sieht am ersten Tag genauso aus wie eine korrekte, erst nach einem halben Jahr Duschen zeigt sie Flecken. Deshalb ist die Wahl des Betriebs beim Mikrozement wichtiger als die Wahl des Materials.
3. Risse sind möglich, aber fast nie ein Materialfehler. Mikrozement ist mit 2 bis 3 Millimetern so dünn, dass er jede Bewegung des Untergrunds nachzeichnet. Reißt der Estrich, reißt die Beschichtung. Die vier häufigsten Ursachen aus Gutachten: Bewegung im Untergrund, etwa frischer Estrich, der noch schwindet, fehlendes Armierungsgewebe in der ersten Schicht, Dehnfugen des Estrichs, die nicht in die Beschichtung übernommen wurden, und zu schnelle Trocknung durch Fußbodenheizung oder Zugluft. Alle vier sind Verarbeitungsfehler. Ein Markensystem mit Gewebe auf einem ausgetrockneten, tragfähigen Untergrund reißt nicht.
4. Kratzer und Stöße hinterlassen Spuren. Die Versiegelung härtet zu einer robusten Oberfläche aus, erreicht aber nicht die Härte von Feinsteinzeug. Sandkörner unter Schuhsohlen, ein Küchenstuhl ohne Gleiter oder ein umgekippter Flakon können feine Spuren hinterlassen. Auf einem Boden im Flur mit Straßenschuhen ist das nach Jahren sichtbar, im Bad praktisch nie. Filzgleiter unter Möbeln und eine Schmutzfangmatte am Eingang lösen das Problem im Wohnbereich weitgehend.
5. Flecken und Verfärbungen bei beschädigter Versiegelung. Solange die Versiegelung intakt ist, perlt alles ab. Ist sie verkratzt oder zu dünn aufgetragen, saugt der mineralische Kern wie ein Stein: Öl in der Küche, Rotwein am Esstisch oder Haarfärbemittel am Waschtisch hinterlassen dann Ränder. Die Regel lautet, sofort wischen, nicht einziehen lassen. Ein zweites Problem betrifft nur billige Systeme: Versiegelungen auf Epoxidbasis vergilben unter UV-Licht. An einer Wand mit direkter Sonne wird aus Hellgrau nach zwei Jahren ein Gelbstich. Epoxidfreie 2K-Versiegelungen haben dieses Problem nicht.
6. Reparaturen gehen nur flächig. Eine beschädigte Fliese tauscht man aus. Bei Mikrozement gibt es keine Einheit, die man ersetzen könnte. Kleine Stellen lassen sich ausbessern, bleiben aber bei genauem Hinsehen als leicht abweichende Wolke sichtbar, weil jede Schicht von Hand entsteht und der Farbton chargenabhängig ist. Für ein unsichtbares Ergebnis wird die gesamte Wand oder das gesamte Bodenfeld bis zur nächsten Kante neu beschichtet.
7. Die Optik lebt, und das gefällt nicht jedem. Wolkige Verläufe, sichtbare Spachtelzüge und leichte Farbnuancen sind bei Mikrozement gewollt. Sie machen aus einer grauen Fläche eine handwerkliche Oberfläche. Wer eine absolut gleichmäßige, industriell perfekte Fläche erwartet, wird enttäuscht sein. Deshalb gilt: Muster in der gewünschten Farbe ansehen, am besten ein Stück von 30 mal 30 Zentimetern mit Versiegelung, nicht nur eine Farbkarte.
8. Trocknungszeiten und Bauzeit. Zwischen den Schichten muss das Material trocknen, die Versiegelung braucht ihre Zeit zum Aushärten. Ein Bad dauert 5 bis 8 Arbeitstage, und die Fläche ist danach nicht sofort voll belastbar. Begehbar nach etwa 24 Stunden, Möbel nach drei Tagen, Wasserkontakt in der Dusche nach rund einer Woche. Wer am Freitag beschichten lässt und am Samstag duschen will, hat das falsche Material gewählt.