Die alten Fliesen sind fest, aber die braune Optik aus den 70ern oder das Pastellrosa aus den 90ern passt nicht mehr. Abschlagen, Schutt schleppen, neu verputzen, neu fliesen: Das dauert Wochen und kostet. Die Frage, die wir deshalb fast täglich hören: Kann man Mikrozement direkt auf Fliesen auftragen? Hier bekommen Sie die Antwort aus der Praxis, mit Voraussetzungen, Aufbau, Kosten und den Fällen, in denen wir abraten.
Die kurze Antwort
Ja, in den meisten Fällenbei festen, trockenen, ebenen Fliesen
Mikrozement wird in 2 bis 3 Millimetern Schichtstärke direkt auf den vorhandenen Fliesenbelag aufgebracht. Voraussetzung sind fest sitzende, trockene und ebene Fliesen. Abriss und Entsorgung entfallen, Türen und Anschlüsse bleiben unverändert, und nach 5 bis 8 Arbeitstagen ist das Bad fugenlos neu. Die Kosten liegen bei 150 bis 300 EUR pro Quadratmeter inklusive Verarbeitung.
In diesem Ratgeber prüfen Sie zuerst anhand einer Checkliste, ob Ihr Bad geeignet ist. Danach zeigen wir den kompletten Aufbau in sieben Schritten, rechnen die Kosten gegen Abriss und neue Fliesen und sagen ehrlich, wo die Methode an ihre Grenzen kommt.
Voraussetzungen: Ist Ihr Bad geeignet?
Mikrozement ist eine dünne Beschichtung. Er kaschiert Farbe und Fugen, aber er heilt keinen kaputten Untergrund. Deshalb hängt alles davon ab, in welchem Zustand die alten Fliesen sind. Diese fünf Punkte prüfen wir bei jedem Vor-Ort-Termin, und Sie können sie vorab selbst durchgehen:
| Voraussetzung | So prüfen Sie es | Wenn nicht erfüllt |
|---|---|---|
| Fliesen sitzen fest | Klopftest mit dem Fingerknöchel oder einem Holzgriff. Ein heller, satter Ton ist gut, ein hohler Klang zeigt Hohlstellen. | Einzelne hohle Fliesen werden entfernt und die Stelle egalisiert. Großflächige Hohlstellen: Abriss nötig. |
| Untergrund ist trocken | Feuchtemessung an Wand und Boden, besonders hinter der Dusche und am Wannenrand. Dunkle Fugen und Geruch sind Warnsignale. | Ursache klären, Untergrund austrocknen lassen. Bei Wasserschaden keine Beschichtung. |
| Fläche ist eben | Lange Wasserwaage oder Richtlatte anlegen. Höhenversatz zwischen Fliesen unter 2 Millimetern ist unproblematisch. | Ausgleichsspachtel, damit steigt der Aufbau auf bis zu 5 Millimeter. Bei starkem Versatz lohnt der Abriss. |
| Keine losen oder gerissenen Fliesen | Sichtprüfung und Klopftest, besonders an Ecken, Kanten und um Armaturen. | Defekte Fliesen werden entfernt, die Fehlstellen mit Reparaturmörtel gefüllt. |
| Tragfähiger Untergrund | Was ist unter den Fliesen? Putz, Estrich und Zementbauplatten sind ideal. Gipskarton nur ohne Feuchteschäden. | Aufgequollene oder weiche Platten müssen raus, dort hilft keine Beschichtung. |
Dazu kommt eine Regel ohne Ausnahme: Alle Silikonfugen werden vollständig entfernt. Auf Silikon haftet weder Haftbrücke noch Mikrozement. Die Ecken und Anschlüsse werden stattdessen mit Dichtband und Spachtel neu aufgebaut. Sind alle fünf Punkte erfüllt, ist Ihr Bad ein Kandidat für die Renovierung ohne Abriss. Was danach passiert, lesen Sie im nächsten Abschnitt.